Sehen und verstehen

 

Unterwegs in den Kulturlandschaften unseres Landes, unterwegs im Osten, stellte sich mir immer wieder die Frage: Was ist geblieben von dem, was seit bald 25 Jahren so unerschrocken Geschichten auf der Kinoleinwand erzählen, populär-wissenschaftliche Bücher beschreiben, soziografische Studien erforschen?

Was steckt hinter einem Begriff, den viele Menschen unseres Landes mit „ihrem Osten“ verbinden, und können meine Bilder davon erzählen? Auf meinen Streifzügen durch Städte, Regionen und Landschaften, die durch Leerstand und Restbestand gekennzeichnet sind, will ich aufspüren, was wir hinterlassen, gelassen, verlassen, vergessen haben. Oft sind es einfache Dinge und Gegenstände des beruflichen Alltags: eine Betriebsuhr, abgeklemmte Kabelbäume, ein Stapel Geschirr. Das Sujet meiner Fotografien ist das Morbide, der Verfall, das Zerrissene. Sie erinnern den Betrachter daran, sich zu erinnern in einer Kultur des tendenziellen Vergessens.